Was ist ein Tag?

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind Worte, die zusammen gehören. Die Vergangenheit ist das, was hinter uns liegt, und die Zukunft ist alles, was noch kommen wird und die Gegenwart liegt genau zwischen den beiden, “im jetzt”. Oder nicht?

Es wird etwas kompliziert, wenn wir versuchen zu sagen, was wir mit “jetzt” meinen. Es wäre für mich schwierig, mit absoluter Genauigkeit zu sagen, wie spät es gerade jetzt ist. Ich brauche etwa drei Sekunden, um die Worte “zwölf fünfzehn und zwanzig Sekunden” zu sagen. Es mag also jetzt zwölf fünfzehn und zwanzig Sekunden gewesen sein, als ich meine Satz begann, aber es wäre sicherlich nicht mehr das gleiche “jetzt” gewesen, als ich fertig war.  

Genau genommen ist “jetzt” ein absoluter und unendlich kleiner Moment, es kann nur der Punkt sein, an dem sich Vergangenheit und Zukunft treffen, ein “Flüchtiger” in ständiger Bewegung, der nie inne hält, um genau angeschaut zu werden.  Aber natürlich brauchen wir ein Konzept der Gegenwart, das “im Moment”. Wir können unser Leben nicht im Gleichgewicht auf der mikroskopischen Linie zwischen Vergangenheit und Zukunft leben, und wir können keinen Trost in einer Welt finden, die immer nur vergänglich ist, weil sie keine wirkliche Gegenwart hat. Wir müssen spüren, dass unsere Gegenwart eine Sache ist, die relativ konstant ist, etwas, das sich zwischen gestern und morgen bewegt und sich für eine gewisse Zeit nicht sehr verändert.  

Der heilige Augustinus sagte, dass “vergangene Erlebnisse” Erinnerung, die “gegenwärtige Momente” aktuelle Wahrnehmungen und “zukünftige Ereignisse” Erwartungen sind. William James schlug vor, dass die Gegenwart “Die kurze Dauer, von der wir sofort und ununterbrochen vernünftig (bewusst) sind” sei. Einige Physiker schlagen das Konzept der “fiktiven Gegenwart” als kurze Zeitspanne vor, in der unsere Gedanken und Wahrnehmungen in der Gegenwart betrachtet werden können. Dieses Denken bringt uns ein wenig voran, obwohl die Wahrnehmung des Augenblicks enttäuschend klein erscheint, verglichen mit der langen Strecke von Erinnerungen und der großen Spannweite, die wir unseren Träumen und Sehnsüchten geben können.

Aber zumindest hilft uns ein solches Denken, dass wir uns nicht mit der schwierige Frage des “Nichts” auseinandersetzen müssen, das ansonsten an der Schnittstelle von Vergangenheit und Zukunft liegt.  Es gibt uns einen Raum zum Leben, wenn auch ein mentales, ein kognitives Konstrukt, das von Erinnerungen und Erfahrungen der Vergangenheit und von Hoffnungen und Träumen der Zukunft erfüllt ist.

Und was hat das mit dem Titel dieses Blogs “Was ist ein Tag?” zu tun?  Ein Tag scheint länger zu sein als der kurze Moment der unmittelbaren Wahrnehmung.  Es ist eine wohltuende Zeitspanne. “Was hast du heute gemacht?” “Hast du einen schönen Tag?”  “Wird heute der Tag sein, an dem….?” Unsere Wahrnehmung für das “Jetzt” sollte mindestens so lang wie ein Tag sein.

Der Dichter Philip Larkin verstand das gut, als er schrieb: “Wo sonst können wir leben als an einem bestimmten Tag?” In der Tat ist es deshalb umso wichtiger ist es, achtsam zu sein, unser Gehirn mit den positiven Erfahrungen eines jeden Tages zu stimulieren und diese Erinnerungen als Teil einer großen Lebenspyramide zu sehen.

Deebee
France / Ireland

 

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