Mehr Achtsamkeit im Alltag – 5 Fragen an Kerstin Böcker

Finnish DAYCATCHER hat mit Kerstin Böcker ein spannendes Interview mit 5 Fragen geführt. Kerstin Böcker ist Achtsamkeits Botschafterin für DAYCATCHER und Inhaberin der Seite Burnout-selbst-behandeln.de.


Frage 1

Finnish Daycatcher:
Achtsamkeit – woran denken Sie, wenn Sie dieses Wort hören?

Kerstin Böcker:
Achtsamkeit bedeutet für mich Wahrnehmung mit allen Sinnen in meinem Außen, wie in meinem Inneren. Bin ich achtsam mit mir, bin ich automatisch achtsam in meinem Außen. Die Wahrnehmung ist „scharf“ gestellt und wir gehen mehr ins Fühlen.

Genau hierin liegt die Kunst: Wir sollten uns wieder mehr trauen, zu fühlen!

Vieles geschieht nur noch aus dem Verstand heraus. Dabei wissen wir schon so lange, dass wir über 90 % unserer Entscheidungen unbewusst treffen. Welches ein natürlicher Zustand sein darf.

Warum zwingen wir uns rational zu entscheiden? Wovor haben die Menschen Angst? Vielleicht davor, dass sie Fehler machen? Wahrscheinlich. Doch stelle ich immer wieder fest, wenn wir uns auf unser Bauchgefühl verlassen, dann liegen wir in der Regel richtig.

Fehler entstehen meistens, wenn wir “verkopft” sind und unseren Gefühlen nicht vertrauen! Der innere Druck des „Müssens“ beherrscht uns und wir sind oft nicht in der Lage aus diesem Muster auszusteigen. Mit diesem Gefühl stecken wir im Mangel – ein negativer innerer Antreiber.

Sind wir achtsam mit uns und unserer Umwelt, werden wir viel weniger negative Erfahrungen machen, weil wir mehr ins Fühlen als ins Denken kommen. Der innere Druck verschwindet und wir fühlen uns freier und leichter. Es darf eine Art Fülle entstehen.

Generell sehe ich vergangene Fehler als Helfer. Denn sie zeigen uns immer wieder den richtigen Weg auf, aus jedem Fehler lernen wir und sind danach in der Regel schlauer und stärker. Also grämen wir uns nicht, sondern sehen die Fehler unseres Lebens als Helfer. So kommen wir der Fülle noch ein Stückchen näher.

Und ganz ehrlich, meistens ist es doch gut, wenn etwas nicht geklappt hat, denn dadurch ist etwas noch Besseres entstanden. Oder? Achtsamkeit hilft uns also uns entspannter und ruhiger zu fühlen, weil wir weniger inneren Druck spüren. Und Achtsamkeit bewahrt uns auch vor Fehlern.

Also was spricht dagegen, achtsam mit sich und seiner Umwelt zu sein?


Frage 2

Finnish Daycatcher:
Welchen Stellenwert hat Achtsamkeit für sie ganz persönlich?

Kerstin Böcker:
Achtsamkeit steht neben dem Wert Aufmerksamkeit für mich an erster Stelle. Durch meine eigene Erfahrung mit Burnout, ist es mir besonders wichtig achtsam zu leben. Burnout, übermäßigen Stress und inneren Druck möchte ich so nie wieder erfahren.

Also habe ich für mich Strategien entwickelt, die mir helfen meinen Tag in einer Art Gefühl von innerer Ruhe zu leben. Ich kann nicht sagen, dass ich mit allem zufrieden bin, aber ich bin glücklich.

Und dieses Gefühl von Glück ist es, was mich antreibt, welches mir Energie gibt und Freude bei allem was ich tue. Und hierin steckt die Achtsamkeit. Denn ohne Achtsamkeit schaffen wir es kaum glücklich zu sein. Hier schließt sich der Kreis.


Frage 3

Finnish Daycatcher:
Ich höre oft, dass man die eigene Routine ändern soll. Mal einen anderen Weg spazieren als üblich, eine neue Musikrichtung hören oder neue Sachen ausprobieren. Egal wie klein diese Änderung sein mag, man wird die bisher alltägliche Routine ganz neu wahrnehmen und entdeckt dabei ganz neue Vorlieben.

Was würden Sie Leuten empfehlen um mehr Achtsamkeit in den Alltag zu bringen? Was sind Ihre 5 Tips?

Kerstin Böcker:
Routinen verändern? Darauf habe ich bisher keinen Fokus gelegt. Eher, dass ich eine Routine erweitere, zum Beispiel dass meine morgendliche Meditation länger wird, oder beginne ein Erfolgsjournal zu führen. Gut das könnte man auch als Veränderung sehen. 🙂

Ich glaube eher, dass zu viele Menschen keine Routinen haben, oder Routinen haben, die ihnen nicht gut tun. Negative Routinen sind zum Beispiel das Rauchen, oder am Morgen als allererstes Nachrichten schauen oder bei Facebook gucken, was es Neues gibt. Richten wir am Morgen unsere Aufmerksamkeit sofort auf unser Außen, wird auch unsere Energie dorthin fließen. Nun möchte ich eine wichtige Frage stellen: Wollen wir unsere Energie direkt am Morgen schon von uns weg leiten?

Also mein erster Tipp wäre, sich an eine Morgenroutine zu gewöhnen, die schön ist und mehr Energie gibt als nimmt.

Mein zweiter Tipp wäre, diese Morgenroutine ohne Ausnahme jeden Morgen zu praktizieren.

Mein dritter Tipp wäre, schon am Morgen mit etwas Bewegung in den Tag zu starten.

Mein vierter Tipp wäre, am Morgen drei Dinge zu fühlen, für die du dankbar sein kannst.

Mein fünfter Tipp wäre, sich am Abend zu fragen: „Welche drei Dinge waren heute besonders schön?“


Frage 4

Finnish Daycatcher:
Ich lese viel wie man Achtsamkeit in den Arbeitsalltag integrieren kann. Das sollte Stress reduzieren und für mehr Freude am Arbeitsplatz sorgen, d.h. schwierige Situationen am Arbeitsplatz mit Hilfe der Achtsamkeit zu beruhigen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Sie wissen viel über Burnout und schreiben dass es keine abschließende Meinung dazu gibt. Deswegen existiert die Diagnose Burnout “noch” gar nicht – es wird eher von Erschöpfungsdepression gesprochen.

Achtsamkeit und Arbeitsalltag – wie helfen Sie Menschen, sich selbst zu helfen?

Kerstin Böcker:
Burnout hat wenig mit der Arbeit an sich zu tun! Burnout entsteht durch verschiedene Eigenschaften, die intensiv gelebt werden. Leider sind das Eigenschaften, die nicht gut tun.

Die negativen Gefühle verlagern sich dann auf die Arbeit, weil jede Tätigkeit irgendwann als Last empfunden wird. Es entsteht Erschöpfung und Frust. Alles wird zu viel. Wenn jetzt noch das i-Tüpfelchen dazu kommt, dann läuft das Fass über und es kann zu einem Nervenzusammenbruch kommen. Der Burnout ist schon länger da, wird aber jetzt so richtig sichtbar und fühlbar.

Die typischen Eigenschaften, die in einen Burnout führen können, sind: Perfektionismus, Helfer-Syndrom, nicht Nein-sagen können, übertriebener Ehrgeiz, fehlende Stressbewältigungsstrategien (mangelnde Selbstliebe).

Burnout ist also nicht nur eine Managerkrankheit. Jeden kann es treffen. Also jeden, der diese Eigenschaften ausgeprägt lebt. Ist jemand von Burnout betroffen, ist die Person körperlich und seelisch total erschöpft.

Wenn wir davon ausgehen, dass die oben genannten Eigenschaften die Ursachen für den Burnout sind, dann sollten wir glauben, es wäre nun Priorität an diesen Themen zu arbeiten.

Das ist meiner Erfahrung nach fatal und der absolut falsche Weg.

Stellen wir uns vor wir sind völlig am Boden, körperlich zu nichts mehr in der Lage. Das Treppensteigen fällt so schwer, dass wir auf jeder vierten Stufen eine Pause einlegen wollen. Wir fühlen uns wie unter einer Käseglocke eingeschlossen und haben das Gefühl, alles rast an uns vorbei und wir kommen nicht von der Stelle.

Wenn wir jetzt beginnen an der Seele zu arbeiten, werden unweigerlich Blockaden entstehen, weil die nötige Kraft fehlt mitzuarbeiten. Die Energie für Seelenarbeit ist einfach nicht da.

Als erstes gilt es nun den Körper aufzubauen und wieder Energie zu bekommen. Wenn der Körper so schwach ist, ist er leer! Die Zellen sind leer. Also müssen wir sie füllen. Und zwar mit einer angemessenen Ernährung, die keinerlei Stress erzeugt. Wir brauchen sozusagen ANTISTRESS-FOOD. Diese besondere Art der Ernährung ermöglicht es dem Körper sich von Stress zu befreien und keinerlei zusätzlichen Stress durch Nahrung aufzubauen! Die Ernährung steht in meiner Empfehlung an erster Stelle.

In meinem Konzept ist die Ernährung die erste Säule. Die zweite Säule ist die Bewegung und die dritte Säule, die Seelenarbeit. Für jede Säule gebe ich genaue Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie sich Betroffene selbst helfen können.


Frage 5

Finnish Daycatcher:
Was denken Sie, wie Menschen auch mit Hilfe von DAYCATCHER mehr Achtsamkeit in ihren Alltag bringen und jeden Tag bewusster wahrnehmen können?

Kerstin Böcker:
Durch die Selbstreflektion kommen die Menschen mehr in die innere Wahrnehmung ihrer Selbst im Hier und Jetzt. Sie lernen sich dadurch ein Stück weit näher kennen und erkennen ihre Werte.

Dadurch schenken sie sich selbst sehr viel mehr Aufmerksamkeit und durch diese Aufmerksamkeit werden sie automatisch achtsamer mit sich und ihrer Umwelt.

DAYCATCHER ist ein idealer Begleiter, um sich selbst zu entdecken und seine Wahrnehmung für sich und seine Umwelt zu schulen. Und ja, es ist ein wunderbares Tool um achtsamer zu werden.


 

Vielen Dank Kerstin Böcker (http://burnout-selbst-behandeln.de/) für die wertvollen Informationen und anregenden Gedanken.

Finnish DAYCATCHER
Sept 2019

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