Achtsamkeit – Nachhaltigkeit

Auch, wenn mir Achtsamkeit damals noch kein Begriff war, als ich zum ersten mal schwanger war, begann ich automatisch damit achtsamer zu leben als zuvor. Mit dem Eintreten der Schwangerschaft hatte ich Verantwortung übernommen. Nicht nur für mich und meine Umwelt, sondern auch für das heranwachsende Leben. Ich achtete auf die Nahrungsmittel, die ich zu mir nahm, versuchte weniger Müll zu produzieren und übermäßigen Konsum zu verzichten. Doch das Baby in mir forderte auch, achtsam mit mir selbst zu sein. Zu ruhen, wenn ich müde war und zu essen, wenn der Hunger kam.

Mittlerweile habe ich drei Kinder und nirgendwo merke ich unmittelbarer den Effekt fehlender Achtsamkeit im Alltag, wie im Mikrokosmos Familie. Bin ich nicht achtsam und sorge gut für mich selbst, belastet dies das Familienkonstrukt. Die Nerven werden dünner, die Stimmung kommt ins Wanken und kleine, alltägliche Herausforderungen wachsen zu riesigen Problemen heran. Bei mir hat das zur Folge, dass mein Urteilsvermögen getrübt ist und ich mich ungerecht meinen Kindern gegenüber verhalte.

Je achtsamer ich mit mir selbst umgehe, desto achtsamer kann ich auch meinen Mitmenschen begegnen. Auf die Familie bezogen: Wenn ich meine Grenzen kenne, kann ich auch die Besonderheiten der anderen Familienmitglieder akzeptieren und kann sie so sein lassen, wie sie sind. Achte ich auf mich und meine Energiereserven und setze ich mich genügend mit meinen Bedürfnissen auseinander, so kann ich für mich Kraft zu leben schöpfen. Kann darüber reflektieren, was mir hilft, bei mir zu sein und die guten Momente für schwierige Phasen speichern. Dann kann ich den Augenblick leben mit der inneren Überzeugung, dass auch schlechte Phasen wieder von guten abgewechselt werden.

Theoretisch weiß ich das. Dennoch fällt es mir nicht leicht, am Ende des Tages loszulassen und das Gedankenkarussell anzuhalten. Dass die Ereignisse des Tages und die Termine des Folgetages immer und immer wieder auf Höchstgeschwindigkeit drehen lässt. Gerade wenn zu wenig von der To-do-Liste erledigt ist und subjektiv alles unbefriedigend war.

Als mir eine Freundin die DAYCATCHER-App vorstellte, war ich zunächst skeptisch. Ein Tagebuch, in dem ich einen guten Moment des Tages festhalte? Was sollte das bringen? Heute, nach mehr als drei Monaten, in denen ich jeden Abend einen Catch geschrieben habe, sind die Zweifel zerstreut. Das Schreiben auf DAYCATCHER ist meine liebgewonnene Abendroutine. Während ich gedanklich den Tag revue passieren lasse, gibt es immer etwas, das gut war. Und dadurch, dass ich sie festhalte, bekommen die guten Momente viel mehr Gewicht. Eine weiter positive Verstärkung ist der Austausch mit den anderen Nutzern. Er ist durchweg wohlwollend und unterstützend.

Ich lebe! Jetzt!

Photo by Juliane Liebermann on Unsplash

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